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«BIM to field»

in der Praxis

Gruner Wepf AG, St. Gallen
Mario Gähwiler, Tiefbautechniker TS/HF
mario[punkt]gaehwiler [ät] gruner[punkt]ch

 

Ein Interview mit Mario Gähwiler, Bauleiter bei Gruner Wepf AG, St. Gallen

«BIM to field» umfasst alle Vorgänge, bei denen die digitale Informationen und Daten die bei der Planung erarbeitet wurden, direkt auf der Baustelle genutzt und bearbeitet werden können.

«BIM to field» ist also nicht nur das "Anschauen eines digitalen Plans" auf der Baustelle, sondern die Überprüfung der korrekten Umsetzung der Pläne mit digitalen Hilfsmitteln. «BIM to field» unterstützt damit die Qualitätssicherung und steigert die Prozesseffizienz.

Die Idee hinter «BIM to field» erklären «The B1M» in einem Video.

Unsere Baustellen benötigen immer mehr und schneller Informationen und mit jedem Tag im Baufortschritt fallen neue Daten an. Das Ziel von «BIM to field» ist diese strukturiert zu erfassen und allen Beteiligten schnell und in einer hohen Qualität zur Verfügung zu stellen. Dazu kommt in der Gruner Gruppe vor allem das Bauleitungs- oder «BIM to field»-Tool von Autodesk zum Einsatz. Mittelfristig werden diese «BIM to field»-Daten mit anderen Datenplattformen, beispielsweise dem Projektmanagement-Tool, synchronisiert werden können.

Mario Gähwiler, Bauleiter bei Gruner Wepf AG, St. Gallen, nutzt «BIM to field» seit einigen Monaten intensiv. Wie sich seine Arbeit dadurch verändert hat und wo er Vor- und Nachteile sieht, fragen wir in einem Interview.

Du arbeitest als einer der ersten Mitarbeitenden der Gruner Gruppe nach dem Konzept «BIM to field». Welches Tool setzt Du ein?
Ich arbeite seit Februar 2018 mit dem Tool «BIM 360™ Field» von Autodesk. Mit dem Tool ist es möglich, Daten zu einem Projekt auf einem Tablet direkt auf der Baustelle zur Verfügung zu haben und zu verwalten. Es unterstützt mich und meine Kolleginnen und Kollegen also in der Bauleitung und im Reporting.

Welche Funktionen nutzt du?
Der zuständige Polier und ich als Bauleiter nutzen verschiedene Checklisten für Bauteile, das Baujournal inklusive Fotoprotokoll und die Dokumentenbibliothek.

Was sind die grössten Vorteile?
Ein grosser Vorteil ist, dass alle Stakeholder direkt auf der Baustelle auf die aktuellsten Dokumente und Daten zugreifen können. Ich lade Daten und Dokumente wie Pläne, Adresslisten oder das Leistungsverzeichnis direkt im Tool hoch. Alle berechtigten Personen erhalten automatisch eine E-Mail, dass eine neue Version verfügbar ist.

Das Tool bietet aber weit mehr, als Daten darzustellen. Es ist auch ein zeitsparendes Hilfsmittel. Der jeweilige Polier und ich nutzen dasselbe Baujournal im Tool, in dem wir auch Personalstunden eintragen können. Die Fotos fürs Baujournal werden direkt mit dem Tablet aufgenommen, entsprechend dem Bauteil benannt und im Journal hinterlegt. Die Fotos kann ich nach Namen filtern und bekomme so innert Sekunden eine Auflistung aller Fotos zu einem Bauteil. Das ist schon eine echte Erleichterung.

Die Checklisten, welche ebenfalls pro Bauteil hinterlegt werden, sind nützlich, weil sie bei Bedarf vor Ort bearbeitet und angepasst werden können.

Es gibt zudem kleinere Funktionen, die durchaus hilfreich sind. Beispielsweise dokumentiert das Tool automatisch das Wetter auf der Baustelle.

Die grössten Vorteile sind, dass man alles schnell, übersichtlich und in aktueller Form zur Hand hat, was man auf der Baustelle benötigt. Das vereinfacht die Zusammenarbeit spürbar. Zudem reduziert es administrativen Aufwand, da das zeitraubende Übertragen von Handnotizen wegfällt.

Gibt es Funktionen, die Du nicht nutzt? Welche Limitierungen gibt es beim Tool?
Die Checklisten können leider nur für einfache Bauteile verwendet werden. Für komplexere Bauteile mit vielen Details, wie beispielsweise ein Bohrprotokoll, reicht die doch sehr einfach gehaltene Darstellung nicht. Hier arbeiten wir weiterhin mit Excel-Listen.

Zudem wären verschiedene Berechtigungsstufen für einzelne User nützlich. Wir verzichten beispielsweise aktuell darauf, die Aufgabenliste im Tool zu führen, obwohl es im Vergleich zur herkömmlichen Excel-Liste eine Erleichterung wäre. Da der Bauherr aber auf die Pendenzenliste Zugriff haben muss und diese im Tool nicht separiert für ihn freigegeben werden kann, verzichten wir darauf.

Hilfreich wäre auch eine direkte Synchronisation mit den Datenablagen und Systemen auf dem Computer. Das ist momentan noch nicht möglich. (Anmerkung d.Red: Autodesk ist fähig Daten lokal oder in Clouds zu transferieren. Das BIM-Team arbeitet zusammen mit der Gruner-IT an einer automatischen Synchronisation der Daten im Grunersystem.)

«BIM to field» ist cloudbasiert. Wie stehen die Unternehmer dazu?
Die grösseren Unternehmen sind eher bereit bzw. arbeiten teilweise bereits mit ähnlichen Tools. Der Austausch der Pläne über die Cloud funktioniert bestens, da alle Beteiligten immer den aktuellsten Stand haben. Wir möchten das Tool vorrangig auf kleineren Baustellen einsetzen, um die ersten Erfahrungen mit der Bauleitung 4.0 zu sammeln.

Auf Seiten der Bauherrschaft ist das Interesse zurzeit jedoch noch eher gering, da einige Bauherrn keine oder nur sehr wenig Informationen über BIM zur Verfügung haben. Zudem ist der Mehrnutzen für den Bauherr teilweise nicht und nur geringfügig erkennbar. Das ist schade. Denn auch wenn bei einzelnen Bauherren anfänglich vielleicht Skepsis bestand - bisher waren alle Partner begeistert von der Arbeit mit dem Tool.

Können die Projektkosten aus deiner Sicht mit dem neuen Konzept gesenkt werden?
Vielleicht nicht direkt die Kosten, aber die Effizienz steigt merklich, da weniger administrativer Aufwand wie das Übertragen von Handnotizen anfällt. Es ist weniger Abstimmung nötig, da alle immer die aktuellen Daten zur Verfügung haben - das senkt das Fehlerrisiko. Schlussendlich wirken sich diese Faktoren sicher positiv auf die Projektkosten aus - wenn nicht direkt, dann zumindest indirekt mit dem Verhindern von Folgekosten.

Fragen an Stefan Aufdermauer, Stv. Leiter Digi­tale Entwicklung Gruner Gruppe

Wird «BIM to field» auch in anderen Regionen und Sparten in der Schweiz eingesetzt?
Ja, «Autodesk BIM 360 field» wird unter anderem in den Sparten Generalplanung beim Neubau Kinderspital in Zürich, im Infrastrukturbau bei St. Gallen West-Ost Galerie Dietli und Wasserversorgung Hausen am Albis, in der Gebäudetechnik beim Projekt Ypsomed und SBG Schönburg in Bern eingesetzt. Der Einsatz von «BIM 360 field» nimmt in der Gruner Gruppe stark zu und zeigt den Erfolg des Tools.

Wie unterstützt die Gruner Gruppe das Arbeiten mit «BIM to field»?
Das Gruner BIM-Team führt Einführungsschulungen durch und steht zur Verfügung beim Direktsupport am Projekt. Mittlerweile verfügen wir über ein grosses Know-how, welches in Zusammenarbeit mit Autodesk für die Weiterentwicklung des Tools eingesetzt wird.